Erbarme dich unser (AT)

U. Walch / E. Glavitza

 

(in Planung)

Inhalt

Vordergründig erzählt der Roman in ungefähr 80 kurzen Parts vom umtriebigen Stalking eines geschiedenen Mannes und der Lehrerin seines Sohnes. Die Beziehung der beiden verdichtet sich dramatisch und endet am Schluss unerwartet und brutal.
Spannung erwächst aus den zwei Erzählperspektiven der beiden Protagonisten, mit denen videoclipmäßig - Schnitt/Gegenschnitt - Tempo gemacht wird. Seine Lebendigkeit gewinnt der Text aus den Dialogen, den atmosphärischen, auch erotischen Details und den inneren Monologen, vor allem aber aus den unterschiedlichen Erzählstilen, die konträrer nicht sein können: Nüchternheit bis bitterer Sarkasmus der – meist erotischen – Gedanken eines notorischen Einzelgängers und das Dahinplätschern scheinbarer Alltäglichkeiten samt größeren und kleineren Konflikten aus der Sicht der Frau, mit häufig ironischem Blick.
Dabei kommt es zu einer Auslotung der eigenen Isolation, der inneren Ratlosigkeit. Der Stalker steckt bis zum Hals im Scheitern, kritisiert aber nur die Welt um sich herum. Die von Männern enttäuschte Protagonistin kommt zu der Erkenntnis, dass man sich im entscheidenden Moment immer selbst belügt.

Gerade während eines verhassten Elternsprechtages verknallt sich der mürrische Edgar in die vollbusige Deutschprofessorin seines Sohnes. Der streng wirkenden Lehrerin wagt er sich nur mithilfe anonymer Botschaften zu nähern, kindischer Aufforderungen, die Elena anfangs nicht ernst nimmt. Die 36jährige, nach zwei gescheiterten Beziehungen von den Männern enttäuschte Frau, zögert zunächst zur Polizei zu gehen, da sie neben einem Schülervater auch ihre Lehrerkollegen in Verdacht hat. Schließlich will sie die Sache selbst in die Hand nehmen und stellt sich einem Treffen im Park. Dort findet sie nur eine weitere Botschaft, nicht aber den ominösen Verfasser.
Während Elena in diesen Wochen ihren Beschäftigungen nachgeht, sich mit Freundinnen trifft, ihre Eltern besucht und wöchentlich in den Reitstall fährt, beobachtet und verfolgt Edgar jeden ihrer Schritte.
Aufgrund der immer unverfroreneren Botschaften bekommt sie es dann doch mit der Angst zu tun und wendet sich an die Polizei. Dort hat sie das Gefühl, dass man sie nicht ernst nimmt. Dieser Eindruck bestätigt sich erneut, als sie bei einer ihrer Nachfragen am Revier ungerührt vertröstet wird. So geht sie schließlich mit dem gemischten Gefühl aus Angst, Neugier und Zorn zu dem vorgeschlagenen Treffpunkt in der Kirche. Als Elena den Stalker im Beichtstuhl entlarven möchte, flieht Edgar kurz vor seiner Bloßstellung aus der Kirche. Dabei verliert er eine Sportmütze. Elena macht sich auf die Suche nach dem Stalker, verliert aber schließlich das Interesse, da es Edgar zu heiß wird und er die Botschaften an Elena einstellt.
Eine zufällige Begegnung der beiden im Café, wo Elena den Vater eines ihrer Schüler anspricht, lässt Edgar Mut fassen und umdenken. Er bemüht sich nun, an Elena durch eine gemeinsame Vorliebe für Thomas Bernhard und durch das Vortäuschen regen Theaterinteresses heranzukommen. Sie durchschaut die Absichten des introvertierten, akademisch gebildeten Sonderlings nicht und erfreut sich an den gemeinsamen Theaterbesuchen. Edgar ist zurückhaltend, fast scheu, jedenfalls auf keinen Fall aufdringlich, was die den Männern gegenüber misstrauische Lehrerin mehr beeindruckt als ihr lieb ist. Erst eine ihr zufällig von einer Kollegin in die Hand fallende handgeschriebene Entschuldigung für seinen Sohn macht sie stutzig. Die Schrift weckt in ihr den Verdacht, dass Edgar der Stalker sein könnte. Zunächst hält sie ihre Entdeckung vor ihm geheim.
Da sie ihre zarte Freundschaft mit dem ihr nicht unsympathischen Mann nicht gleich aufs Spiel setzen möchte, treffen sie sich weiter. Dabei hofft Elena, die Wahrheit über Edgar herauszufinden. Zu diesem Zeitpunkt ist Edgar ihr bereits rettungslos verfallen.
An einem Sonntagvormittag vereinbaren sie ein Treffen im Café der Kleinstadt, doch Edgar taucht zuvor unerwartet vor Elenas Haus auf. Nur ungern lässt sie sich von ihm zum Weinhaus der Familie begleiten, bei dem sie vorbeischauen wollte. Es ist ein heißer Tag und der Anstieg macht beide durstig . . .

© by Walch/Glavitza